Reitferien packt man anders als normale Ferien. Was wirklich gebraucht wird, was man immer wieder vergisst und was am Ende unbenutzt im Koffer bleibt – das weiss man meistens erst nach der ersten Reise.
Ich begleite seit über zwölf Jahren Frauen auf Reitreisen – in die Berge, durch die Wüste, ans Meer, ins Hochland. In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass sich dieselben Fragen immer wieder stellen: Was muss ich wirklich mitnehmen? Brauche ich eine vollständige Reitausrüstung? Was vergisst man immer wieder?
Dieser Artikel fasst zusammen, was ich in dieser Zeit gelernt habe. Und wer eine vollständige Packliste zum Ausdrucken oder Abspeichern möchte, kann sie sich am Ende des Artikels als PDF herunterladen.
Was immer dabei sein sollte
Bevor es um die Reitausrüstung geht, gibt es ein paar Dinge, die auf jeder Reitreise dabei sein sollten – unabhängig von Destination und Jahreszeit.
Sonnencreme steht ganz oben. Auch bei Bewölkung, auch im Winter, auch in der Höhe. Wer stundenlang im Sattel sitzt, ist der Sonne ausgesetzt, ohne Schatten und ohne Pause. Besonders Hals und Dekolleté werden oft vergessen – genau dort trifft die Sonne beim Reiten am direktesten. Das gleiche gilt für Lippenbalsam mit LSF: Wind und Sonne trocknen die Lippen schnell aus.
Ohropax lohnen sich auf jeder Reise – für den Sitznachbarn im Zug, der laut telefoniert, oder für das schreiende Kind beim Nachtflug.
Ein Notizheft und einen Stift. Ich habe fast immer eines dabei – weil es schöner ist, als die ganze Zeit aufs Handy zu tippen, und weil Reitferien auch eine Zeit sind, in der man ein bisschen wegkommt vom Digitalen. Es ist schön, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Für Fotos im Sattel empfehle ich einen Bändel ums Handy. Für alles andere – Snacks, Sonnencreme, Kleingeld – eine Bauchtasche oder Beintasche, die fest am Körper anliegt und nicht baumelt. Was im Galopp herumfliegt, kann das Pferd erschrecken.
Eine Wasserflasche zwischen 5 und 7.5 dl passt gut in die meisten Satteltaschen. Zwei Flaschen mitzunehmen lohnt sich – man muss seltener nachfüllen, spart Plastikabfall und kann das Gewicht in den Satteltaschen besser ausgleichen.
Eine kleine Reiseapotheke: ein Schmerzmittel, Blasenpflaster und einen Tampon. Was du regelmässig brauchst, nimm am besten selbst mit – frage vorher nach, was der Veranstalter dabei hat.
Und bevor man abreist: unbedingt prüfen, ob die Reiseversicherung Reitunfälle und Unfälle mit Pferden abdeckt. Das ist nicht bei jeder Police selbstverständlich. Solltest du an einem Retreat teilnehmen und keine Reiserücktrittsversicherung haben, empfehlen wir dir die von der Allianz. Du kannst damit jeden beliebigen Retreat versichern. Alle Infos zu dieser Versicherung findest du hier.
Reitausrüstung – was wirklich nötig ist
Viele Reiterhöfe stellen Ausrüstung zur Verfügung – Helme, manchmal auch Regenjacken oder Satteltaschen. Man kommt also auch ohne vollständige Reitausrüstung zurecht. Das hier ist, was ich trotzdem empfehle:
Helm. Ich reise immer mit meinem eigenen. Ich weiss, was damit passiert ist und wie er gelagert wurde – und ich weiss, dass er nie gefallen ist. Das kann ich bei einem Leihhelm nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.
Hose. Eine Reithose oder Reitlegging ohne grosse Nähte an der Innenseite ist bei mehrstündigen Ritten Gold wert. Jeans gehen für kurze Ausritte – bei langen Tagen im Sattel werden die Nähte unangenehm. Tipp: schnelltrocknende Reitleggings, die über Nacht trocknen, reichen für eine ganze Woche.
Unterwäsche. Unbedingt Unterhosen ohne Nähte und ohne Spitzen anziehen – alles, was reibt, macht sich bei mehrstündigen Ritten schnell bemerkbar. Zu Radlerhosen höre ich immer wieder Unterschiedliches: Manche Frauen schwören darauf, andere sagen, sie waren danach noch wunder als vorher. Das ist sehr individuell – wer es ausprobieren möchte, sollte es vorher auf einem kürzeren Ritt testen.
Schuhe. Gute, solide Schuhe, mit denen man auch zu Fuss gehen kann. Auf Reitreisen geht man oft Strecken zu Fuss und führt Pferde. Stiefeletten ohne Profil und ohne Stabilität sind im Gelände absolut ungeeignet. Trekking- oder Wanderschuhe mit gutem Profil sind ideal.
Badelatschen. Ich habe immer ein Paar leichte Gummilatschen dabei – nach dem Reiten mal die Schuhe ausziehen, in der Dusche nicht barfuss rein, abends einfach reinschlüpfen. Sie wiegen fast nichts.
Baumwolltuch. Ein einfaches Baumwolltuch ist eines der praktischsten Dinge, die man dabei haben kann – abtrocknen, über den Kopf legen, etwas abwischen. Es findet immer einen Verwendungszweck.
Regenjacke. Man denkt oft, man braucht sie nicht – und wenn man sie dann braucht und nicht dabei hat und den ganzen Tag nass ist, ist das sehr unangenehm. Heutzutage sind gute Regenjacken so kompakt, dass sie kaum Platz brauchen. Unbedingt einpacken.
Sonnenbrille. Es gibt immer die Diskussion, ob man eine Sonnenbrille unter dem Helm trägt. Ich habe immer eine auf – nicht nur wegen der Sonne, sondern auch weil im Gelände Steine fliegen können. Ich achte darauf, dass die Bügel nicht zu dick sind und gut unter den Helm passen.
Gepäckwürfel. Wer noch nie mit Packing Cubes gereist ist, wird sie nicht mehr missen wollen. Man findet alles sofort – besonders bei Mehrtagesritten, wo man täglich umpackt, machen sie den Alltag deutlich einfacher.
Sommer und Winter – Schichten sind entscheidend
Das Wichtigste beim Packen für Reitferien ist nicht, das perfekte Kleidungsstück zu finden. Es geht darum, genug Schichten dabei zu haben. Wer das hat, bereut es spätestens am Abend nicht – oder wenn es kälter wird als erwartet.
Im Sommer gehören eine warme Jacke und eine Regenjacke immer ins Gepäck. In der Höhe, am Atlantik mit viel Wind und am Abend kann es schnell frisch werden.
Im Winter empfehle ich Thermokleidung direkt auf der Haut, dann einen Fleece oder Pullover darüber und eine wasserdichte Jacke, die über die Hüfte geht – damit keine Lücke zwischen Hose und Jacke entsteht. Wer keine Winterreithose hat, kann eine normale Skihose verwenden. Beim Stirnband darauf achten, dass es nicht zu dick ist und noch unter den Helm passt – am besten zu Hause kurz ausprobieren. Handschuhe sollten dünn genug sein, damit man noch den Sattelgurt schliessen kann. Ich nehme meistens ein dünnes Paar für die Arbeit im Stall und ein dickeres zum Drüberziehen beim Reiten – plus ein Reservepaar, falls eines nass wird. Wärmebeutel für Hände und Füsse sind bei langen Wintertagen sehr bewährt.
Besonders wichtig bei Camp-Nächten: Dort gibt es keinen geheizten Raum, in den man sich zurückziehen kann. Innen ist es gleich kalt wie draussen. Wer nicht genug Schichten dabei hat, schläft schlecht.
Mehrtagesritt und Camp-Nächte
Die meisten Anbieter stellen Schlafsäcke oder Decken zur Verfügung – den eigenen Schlafsack kann man sich daher meistens sparen. Ich nehme aber aus Hygienegründen immer einen Seidenschlafsack mit.
Eine Stirnlampe ist praktischer als das Handylicht – man hat beide Hände frei.
Feuchttücher ersetzen die Dusche, wenn es keine gibt. Trockentücher in Tablettenform nehmen weniger Platz weg. Wenn du Angst hast, dass die Haare nach mehreren Tagen ohne Waschen leiden, nimm noch ein Trockenshampoo mit.
Eine Powerbank fürs Handy – oder man entscheidet sich bewusst, offline zu bleiben. Beides ist möglich.
Eine gute Packtasche, die man schnell öffnen und in der man alles findet, macht den Alltag unterwegs leichter. Frage vorher nach, ob der Anbieter Duffel Bags voraussetzt. Und generell: Nimm eher weniger mit als zu viel – und geniesse es einmal, mit wenig auszukommen.
Alles, was nicht organisch ist, nimmt man im Gelände wieder mit – auch Toilettenpapier. Kleine Plastikbeutel in der Satteltasche helfen dabei.
Spezialfall Island: Einfuhrregeln für Reitbekleidung
Island hat strikte Einfuhrregeln für Reitbekleidung – und das hat einen guten Grund. Isländische Pferde dürfen das Land nach dem Verlassen nie wieder betreten. Die Population ist seit Jahrhunderten isoliert und kennt zum Beispiel die Pferdeinfluenza nicht, gegen die andere Pferdepopulationen längst immun sind.
Konkret heisst das: Gebrauchte Reithandschuhe dürfen nicht eingeführt werden – neue kaufen oder direkt in Island besorgen, dort gibt es viele gute Pferdefachgeschäfte. Alle anderen gebrauchten Reitkleider und Schuhe müssen vor der Reise in der Waschmaschine oder chemischen Reinigung gewaschen worden sein – mindestens fünf Tage vor dem ersten Kontakt mit isländischen Pferden. Was nicht maschinell gereinigt werden kann, muss mit Seifenwasser gewaschen, getrocknet und mit VirkonS® 1% (10 g pro Liter Wasser) desinfiziert werden. Das gilt auch für den Helm.
Und noch ein Tipp speziell für Sommerreisen: Im Juli wird es in Island nachts nicht dunkel. Eine Schlafmaske macht einen grossen Unterschied.
Vor der Abreise
Ein paar Dinge, die man am besten ein bis zwei Monate vorher erledigt:
Einreisebestimmungen checken. Wo brauche ich einen gültigen Pass, wo ein Visum? Für gewisse Länder dauert die Beantragung mehrere Wochen.
SIM-Karte oder eSIM. Ich kaufe mir vor Ort meistens eine lokale SIM – die funktionieren besser und sind günstiger als Roaming. In jedem Fall lohnt es sich, rechtzeitig zu prüfen, ob die eigene Karte für das Reiseland freigeschaltet ist.
Steckdosenadapter. Nicht jedes Land hat dieselben Steckdosen – kurz nachschauen und den richtigen Adapter einpacken.
Die vollständige Packliste als PDF
Wer alle Tipps als übersichtliche Liste zum Ausdrucken oder Abspeichern möchte: Die vollständige Packliste für Reitferien gibt es hier als PDF – mit Checklisten für Mehrtagesritte, Lodge-Aufenthalte, Sommer- und Winterreisen sowie dem Spezialfall Island.

