Pferdelaute verstehen: Was Wiehern, Schnauben, Blubbern und Quietschen bedeuten

Pferde sprechen nicht – aber sie sind alles andere als still. Wer Zeit mit Pferden verbringt, kennt das: das tiefe Blubbern zur Begrüssung, das abrupte Schnauben auf der Weide, das Wiehern, das durch den ganzen Stall hallt. Diese Laute sind keine Zufälle. Sie sind ein Teil davon, wie Pferde kommunizieren – mit uns, mit anderen Pferden, mit ihrer Umgebung.

In diesem Artikel schaue ich mir die häufigsten Pferdelaute genauer an: was sie bedeuten, in welchem Kontext sie auftreten und was du daraus ableiten kannst – besonders auch beim Reiten.

Laute sind nur ein Teil der Pferdesprache

Bevor wir zu den einzelnen Lauten kommen, ein wichtiger Hinweis: Laute machen nur einen kleinen Teil der Kommunikation von Pferden aus. Der grössere Teil läuft über Körpersprache – Ohrenstellung, Körperspannung, Blick, Haltung, Bewegung. Dazu kommen Berührungen und Gerüche.

Ein Laut allein sagt also wenig. Was das Pferd gerade macht, wie es steht, wo seine Ohren zeigen – das alles gehört dazu. Wenn du verstehst, wie Laute und Körpersprache zusammenspielen, verstehst du dein Pferd deutlich besser.

Wiehern: Kontaktaufnahme über Distanz

Das Wiehern ist der bekannteste Pferdlaut – und gleichzeitig einer der selteneren. Pferde wiehern vor allem dann, wenn sie über eine grössere Distanz Kontakt aufnehmen wollen. Wenn dein Pferd beim Wegreiten laut wiehert, ruft es seine Herdenkameraden. Es fühlt sich allein und sucht Anschluss.

Wiehern kann aber auch Freude ausdrücken – zum Beispiel, wenn ein bekanntes Pferd auf die Weide kommt, oder wenn du als vertraute Person erscheinst und das Pferd dich von weitem hört. Ein kurzes, helles Wiehern zur Begrüssung ist etwas anderes als ein anhaltendes, lautes Wiehern aus Unruhe.

Wenn ein Pferd beim Reiten ständig wiehert, ist das oft ein Zeichen, dass es sich noch nicht wohl genug fühlt, um den Menschen als verlässliche Begleitung wahrzunehmen. Es sucht Sicherheit bei der Herde, nicht beim Reiter.

Blubbern: Das Zeichen für Vertrauen

Das Blubbern – auch Nicker genannt – ist ein leises, kehlig-weiches Geräusch. Es ist das Gegenteil vom Wiehern: kein Ruf über Distanz, sondern Kommunikation auf kurze Nähe. Stuten blubbern zu ihren Fohlen. Pferde blubbern zur Begrüssung, wenn du in den Stall kommst. Besonders häufig beim Füttern.

Wenn ein Pferd dich anblubbert, ist das ein gutes Zeichen: Es kennt dich, es freut sich, es fühlt sich sicher. Hengste verwenden oft tiefere Blubberlaute, um auf sich aufmerksam zu machen.

Schnauben: Kontext entscheidet alles

Schnauben ist wohl der vieldeutigste Laut. Es kommt auf die Situation an:

Ein kurzes, explosives Schnauben mit gehobenem Kopf und gespanntem Körper ist ein Alarmsignal. Das Pferd hat etwas bemerkt, das es beunruhigt, und warnt damit – sich selbst und andere.

Ein langes, entspanntes Schnauben – oft mit leicht hängendem Kopf – ist dagegen ein Zeichen von Wohlbefinden und Loslassen. Viele Reiterinnen kennen dieses Geräusch aus dem Moment, wenn das Pferd anfängt, ruhiger zu werden.

Abschnauben beim Reiten – was steckt dahinter?

Viele Reiterinnen fragen sich, was es bedeutet, wenn ihr Pferd beim Reiten viel abschnaubt – besonders im Trab oder beim Entspannen nach einer Aufgabe. In der Regel ist es ein gutes Zeichen: Das Pferd lässt los, es atmet durch, es kommt runter.

Wenn ein Pferd beim Reiten kaum schnaubt und eher flach atmet, kann das auf Anspannung hindeuten. Das Abschnauben – also das kräftige Ausatmen durch die Nase – ist oft das erste äusserliche Zeichen dafür, dass ein Pferd beginnt, sich zu entspannen und zu vertrauen.

Ein Pferd, das beim Reiten sehr viel und anhaltend schnaubt, ohne dabei entspannt zu wirken, kann auf körperliche Ursachen hinweisen – etwa auf Atemwegsprobleme oder Schmerzen. Das lohnt sich genauer zu beobachten und im Zweifelsfall tierärztlich abklären zu lassen.

Quietschen: Grenzziehung und Überreizung

Das Quietschen ist ein hohes, durchdringendes Geräusch. Pferde quietschen, wenn sie sich bedroht fühlen oder eine Grenze setzen wollen – oft begleitet von einem Aufstampfen des Vorderbeins. Es ist typisch beim ersten Kontakt zwischen zwei Pferden, besonders wenn Stuten und Hengste sich beschnuppern.

Auch bei übermütigem Spiel kann Quietschen auftreten. Es ist dann weniger eine Warnung als ein Ausdruck von Aufregung. Der Unterschied liegt im Körper: Ein warnendes Quietschen kommt mit Spannung und Rückzug, ein spielerisches eher mit Bewegung und Leichtigkeit.

Röhren: Einschüchterung und Verunsicherung

Das kehlige Röhren hört man seltener. Es drückt Verunsicherung oder Verärgerung aus und dient oft dazu, andere auf Abstand zu halten. Es kann gegenüber Artgenossen auftreten, aber auch gegenüber Menschen – dann ist besondere Vorsicht geboten.

Grunzen: Anstrengung oder Schmerz

Grunzlaute treten bei körperlicher Anstrengung auf – beim Landen nach einem Sprung, beim Aufstehen aus dem Liegen, manchmal beim Fressen. Das ist an sich normal. Wenn ein Pferd jedoch beim Reiten regelmässig grunzt, besonders beim Angaloppieren oder bei bestimmten Bewegungen, sollte man genauer hinschauen. Das kann ein Hinweis auf Schmerzen im Rücken oder in der Muskulatur sein.

Was du damit anfangen kannst

Pferdelaute zu kennen ist hilfreich – aber sie entfalten ihren vollen Sinn erst im Zusammenspiel mit Körpersprache und Kontext. Wenn du anfängst, beides gemeinsam zu beobachten, wirst du merken, wie viel dein Pferd dir eigentlich mitteilt.

Mehr zur Körpersprache der Pferde – Ohrenstellung, Schweiflage, Körperspannung – findest du in diesem Artikel: Die Körpersprache der Pferde.

Posted on March 30, 2026 .