Rauhnächte – warum diese Tage für viele gerade jetzt wichtig sind

Die Rauhnächte bezeichnen die Tage zwischen den Jahren, meist vom 24. Dezember bis zum 6. Januar oder von Silvester bis Dreikönig. Ursprünglich stammen sie aus mitteleuropäischen, vor allem bäuerlichen Traditionen. Es waren Tage, die im Jahreslauf eine besondere Stellung hatten. Die Ernte war abgeschlossen, die Arbeit ruhte, vieles lag still.

Diese Zeit war nicht dafür gedacht, Neues zu beginnen oder Pläne zu machen. Es ging eher darum, das Vergangene abzuschliessen, Ordnung zu schaffen und wahrzunehmen, was dieses Jahr geprägt hat. Nicht im Sinne von grossen Vorsätzen, sondern durch ehrliches Hinschauen: Was war stimmig? Was hat Kraft gekostet? Was möchte man so nicht mehr weiterführen?

Auch heute sprechen die Rauhnächte viele Menschen an, obwohl unser Alltag kaum noch mit dem von früher vergleichbar ist. Vielleicht gerade deshalb. Das Jahr endet oft dicht, voll und laut. Viele merken erst gegen Ende, wie viel sie getragen haben. Die Rauhnächte markieren einen Punkt, an dem man nicht sofort weitermachen muss, sondern stehenbleiben darf.

Für mich ist diese Zeit Ende Jahr ganz konkret mit Ausmisten verbunden. Ich gehe meinen Kleiderkasten durch, sortiere Kleidung aus, öffne Schubladen, die ich übers Jahr kaum beachte. Nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt. Über Monate sammelt sich einiges an, Dinge, die man nicht mehr braucht, die aber trotzdem Platz einnehmen. Ich mag dieses Aufräumen zum Jahresende sehr.

Der Dezember ist für mich generell ein ruhiger Monat. Ich habe bewusst keine Reiten & Yoga Retreats in dieser Zeit. Es ist der Moment im Jahr, in dem ich Zeit habe, Projekte aufzuräumen, Gedanken zu ordnen und Dinge zu erledigen, die übers Jahr liegen geblieben sind. Ich schaue mir an, was gut gelaufen ist, was sich richtig angefühlt hat und wo ich gemerkt habe, dass etwas nicht mehr passt.

Letztes Jahr war ich in dieser Phase zum Beispiel im Mandali Retreat Center. Nicht, um etwas zu verändern oder zu verbessern, sondern um Abstand zu gewinnen und zurückzublicken. Solche Orte helfen mir, aus dem eigenen Alltag herauszutreten und klarer zu sehen, ohne gleich handeln zu müssen. Den entsprechenden Blogpost dazu habe ich damals auch hier geteilt.

Diese Zeit nutze ich oft, um mir meine Ziele und Visionen für das kommende Jahr aufzuschreiben. Nicht als feste Vorgaben, sondern als Orientierung. Ich finde es sehr wertvoll, dafür wirklich Zeit zu haben, statt diese Gedanken zwischen Termine und Verpflichtungen zu schieben.

Natürlich weiss ich, dass der Dezember für viele genau das Gegenteil ist. In manchen Berufen ist es die intensivste Zeit des Jahres. Und Weihnachten und Neujahr sind auch Momente, in denen viele Menschen Zeit haben, sich zu sehen. Das gehört dazu. Es geht nicht darum, alles ruhig oder leer zu machen.

Vielleicht geht es eher darum, den eigenen Kalender nicht komplett zu füllen, wenn es irgendwie möglich ist. Kleine Freiräume zu lassen. Zeit für sich einzuplanen, ohne dass sie einen Zweck erfüllen muss. Und wenn das Ende Jahr nicht geht, dann vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt. Man kann auch mitten im Jahr einen Retreat einlegen oder bewusst einen Gang zurückschalten.

Die Rauhnächte stehen für mich genau dafür. Nicht für bestimmte Rituale und nicht für eine feste Zeitspanne, sondern für die Erinnerung, dass wir nicht immer schneller werden müssen. Dass es Phasen geben darf, in denen nichts optimiert werden muss.

Posted on December 15, 2025 .