Über Gewohnheiten – und warum Veränderung Zeit braucht

Ich habe heute Morgen darüber nachgedacht, dass ich meine Ernährung nun seit etwas mehr als eineinhalb Jahren umgestellt habe. Vor rund eineinhalb Jahren habe ich gemerkt, dass es mir nicht mehr wirklich gut geht, und ich habe verschiedene Tests gemacht, weil ich wissen wollte, woher das kommt. Dabei kam heraus, dass ich eine Gluten-Sensitivität habe, dass ich laktoseintolerant bin und zusätzlich Hashimoto-Thyreoiditis habe, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse.

Am Anfang habe ich versucht, das alles für mich alleine zu regeln, später dann mit Unterstützung meines Arztes Daniel Auer. Schritt für Schritt habe ich meine Ernährung angepasst. Heute esse ich keine Laktoseprodukte mehr, auch keine laktosefreien, und ich nehme auch keine Laktasetabletten. Milchprodukte fördern bei mir Entzündungen, und das möchte ich bei Hashimoto bewusst vermeiden. Im Moment habe ich meine Hashimoto-Thyreoiditis gut im Griff, mir geht es sehr gut, ich habe Energie, ich habe wieder Freude am Essen und ich weiss, was mir guttut.

Bis ich an diesem Punkt war, hat es lange gedauert. Und es war ehrlich gesagt kein einfacher Weg.

Heute habe ich mich gefragt, warum sich meine Ernährung mittlerweile so selbstverständlich anfühlt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich einschränke. Ich weiss, was ich essen möchte, ich weiss, was ich koche, und ich habe das Gefühl, dass mein Körper gut damit zurechtkommt. Und mir ist klar geworden, dass das nicht von heute auf morgen so war, sondern dass es viele kleine Schritte waren.

Dabei musste ich an das Buch Atomic Habits von James Clear denken. Die Grundidee ist, dass Veränderung nicht dadurch entsteht, dass man alles auf einmal umstellt, sondern dass man eine kleine Sache verändert, diese eine Weile beibehält und erst dann die nächste angeht. Das ist etwas, das wir im Alltag oft vergessen, weil wir dazu neigen, möglichst schnell möglichst viel verändern zu wollen.

Am Anfang war das für mich schwierig, weil ich einfach wollte, dass es mir wieder gut geht. Ich wollte, dass jetzt alles passt. Rückblickend sehe ich, dass genau das nicht funktioniert hat und dass Geduld ein sehr wichtiger Teil dieses Prozesses war.

Das kenne ich auch aus dem Pferdetraining. Im Moment übe ich regelmässig das Hängerverladen mit Na’ima. Sie geht in den Hänger, aber noch nicht so, wie ich es mir wünsche. Also investieren wir Zeit und üben immer wieder, mit dem Wissen, dass es nicht von heute auf morgen geht und dass es am Ende funktionieren wird.

Genauso ist es mit anderen Dingen. Ob du anfangen möchtest zu joggen, ob du Arabisch lernen willst, ob du deine Ernährung umstellen möchtest oder gesündere Gewohnheiten in deinen Alltag bringen willst, es braucht Zeit. Wir sind es gewohnt, dass alles schnell gehen soll, und haben dabei ein Stück Geduld verloren. Dabei dauert es einfach, bis sich etwas etabliert. Man wird auch nicht von heute auf morgen unfit, und Veränderungen brauchen genauso ihre Zeit.

Was mir geholfen hat, war, wirklich mit einer Sache anzufangen. Bei mir war das Gluten. Gleichzeitig kam auch die Laktose dazu, was ich so nicht generell empfehlen würde, ausser der Leidensdruck ist sehr gross. Sonst würde ich immer dazu raten, entweder etwas wegzulassen oder etwas Neues einzuführen, aber nicht alles auf einmal.

Wenn du zum Beispiel laktosefrei leben möchtest, dann macht es Sinn, dich zuerst mit Alternativen auseinanderzusetzen. Ich habe relativ lange gebraucht, bis ich einen Milchersatz für meinen Kaffee gefunden habe. Im Moment trinke ich Sojamilch, am liebsten die von Alnatura. Es hat eine Weile gedauert, bis sich mein Geschmack daran gewöhnt hat, heute fühlt es sich ganz normal an.

Dasselbe gilt für andere Dinge. Du kannst zum Beispiel zuerst den Joghurt am Morgen ersetzen und später den Kaffee. Oder umgekehrt. Je kleiner der Schritt ist, desto einfacher lässt er sich in den Alltag integrieren.

Oft wird von der 21-Tage-Regel gesprochen, aber die ist nicht für alle gleich. Bei manchen funktioniert eine Umstellung schneller, bei anderen dauert es deutlich länger, manchmal mehrere Wochen oder Monate. Genau deshalb helfen kleine Veränderungen, weil sie weniger Widerstand erzeugen.

Auch beim Thema Gluten gibt es viele Möglichkeiten. Für viele ist Brot ein grosses Thema. Ich esse kein Brot mehr, auch kein glutenfreies. Das ist meine persönliche Entscheidung, weil es für mich gut funktioniert. Andere backen selber oder greifen auf Alternativen wie Buchweizen oder glutenfreien Hafer zurück. Wichtig ist, dass man für sich einen Weg findet, der sich langfristig umsetzen lässt.

Was für mich geblieben ist, ist dieses Prinzip: eine Sache nach der anderen. Wenn sich etwas etabliert hat, kommt das nächste dazu. So entsteht Veränderung, die mit der Zeit ganz selbstverständlich wird.

Wenn du möchtest, kannst du dieses Prinzip auf alles anwenden. Auf Ernährung, Bewegung, Lernen oder andere Gewohnheiten in deinem Alltag. Es braucht Zeit, und das ist in Ordnung.

Posted on February 9, 2026 .