Wie ich meine Retreat-Locations finde

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich meine Retreat-Locations finde. Und wie du dir wahrscheinlich schon denken kannst, gibt es darauf keine klare Antwort. Ich gehe nicht immer gleich vor, es gibt kein fixes Schema und keine Checkliste, die ich einfach Punkt für Punkt abarbeite. Es kommt darauf an. Und es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie ich zu meinen Retreats und den passenden Orten gekommen bin.

Was mir aber immer wichtig ist: Diese Locations müssen wirklich zu Reiten & Yoga passen. Sie müssen etwas auslösen, wenn man ankommt. Bei manchen ist es die Qualität im Fünf-Sterne-Bereich, bei anderen ist es die Natur, die einen sofort packt, bei wieder anderen eine besondere Unterkunft oder ein Reitgebiet, das einfach grandios ist. Es ist nie immer dasselbe, und ich kann nicht sagen, dass ich nur mit Vier-Sterne-Hotels arbeite oder dass alles einem bestimmten Stil entsprechen muss.

Viel wichtiger ist mir, dass die Betriebe mit Herz geführt werden und man das auch spürt. Der Service muss stimmen, meine Gäste sollen sich wohlfühlen, und ganz zentral ist natürlich, dass es den Pferden gut geht. Sie müssen artgerecht gehalten werden, gut versorgt sein, passendes Sattelmaterial haben, Pausen bekommen, es braucht klare Gewichtslimiten und insgesamt einfach einen runden, stimmigen Eindruck. Das ist auch ein Stück weit mein Markenzeichen.

Ich habe viele Gäste, die regelmässig mit mir in die Ferien kommen, weil sie sagen: Wenn ich mit dir reise, weiss ich, dass für alles gesorgt ist. Das Hotel ist schön, das Essen ist gut, den Pferden geht es gut, die Gruppe passt – und ich kann einfach ankommen und abschalten, ohne mich um irgendetwas kümmern zu müssen. Genau deshalb setze ich auf langsames Wachstum und auf Qualität statt auf Masse.

Der erste Ort, den ich bewusst gesucht und gefunden habe, war die Engadin River Ranch. Das war damals, als ich mit Reiten & Yoga begonnen habe. Ich praktiziere seit rund 25 Jahren Yoga, unterrichte seit über 15 Jahren, reite seit ich ein Kind bin, und vor etwa zwölf Jahren hatte ich die Idee, Reiten und Yoga in einem Retreat zu verbinden. Irgendwie wusste ich einfach: Es muss das Engadin sein. Ich hatte keinen besonderen Bezug dazu, war dort nie mit meiner Familie in den Ferien, aber es gab dieses klare Gefühl, dass ich genau dort hinmuss.

Sehr pragmatisch habe ich damals „Reiten Engadin“ gegoogelt, der erste Treffer war die Engadin River Ranch. Ich habe eine Mail geschrieben und sehr schnell eine offene, herzliche Antwort bekommen. So kam es zum ersten Retreat. Der war alles andere als perfekt, aber er war schön, wir hatten Spass und er war die Grundlage für alles, was danach gekommen ist. Auch heute arbeite ich noch sehr gern mit der Engadin River Ranch zusammen. Natürlich hat sich vieles verändert, auf beiden Seiten, und mit der Erfahrung werden Dinge professioneller – aber genau das gehört dazu.

Marokko war eine ganz andere Geschichte. Dieser Ort hat mich schon lange gerufen, noch bevor Reiten & Yoga überhaupt existiert hat. Ich wusste einfach, dass ich irgendwann nach Marokko möchte, ohne genau erklären zu können warum. Dieses 1001-Nacht-Gefühl hat mich fasziniert. Damals hatte ich noch keinerlei Retreat-Erfahrung und habe einen Retreat im Atlasgebirge organisiert, ohne je zuvor dort gewesen zu sein. Alles online recherchiert, alles online gebucht – etwas, das ich heute nie wieder so machen würde.

Es war extrem lehrreich. Die Hotels waren nicht schlecht, aber vieles entsprach nicht dem, was ich heute für meine Retreats möchte. Auf Fotos wunderschön, in Realität oft dunkel, kleine Zimmer, Dinge, die ich heute sofort erkenne. Trotzdem war diese Reise wichtig, weil ich in Marokko viele Menschen kennengelernt und Kontakte geknüpft habe. Daraus sind später die Reiten & Yoga Retreats entstanden, und ich habe ganz bewusst nach einem Reitbetrieb gesucht, mit dem ich langfristig arbeiten möchte. So habe ich meinen Partner in Essaouira gefunden – ein echter Glücksgriff, mit dem wir heute sehr viel gemeinsam aufgebaut haben.

Island ist wieder ganz anders entstanden. Hier war es Mia, die ich von der Engadin River Ranch kenne, die mich immer wieder ermutigt hat, nach Island zu gehen. Ich bin ehrlich gesagt kein ausgesprochener Nord-Fan, aber wir haben gemeinsam gesucht, Ställe angeschrieben, gefiltert, geschaut, wer genug Platz hat, grosse Herden, Wanderritte anbietet und auch Raum für Yoga hat. Viele Betriebe waren offen für eine Zusammenarbeit, aber oft waren die Unterkünfte sehr basic oder zu klein für meine Gruppen.

Am Schluss blieben zwei Optionen übrig. Eine davon hat mich vor Ort enttäuscht, auch wenn der Hof liebevoll geführt war. Es hat für Reiten & Yoga einfach nicht gepasst, und ich bin früher abgereist. Der zweite Stall im Norden war Liebe auf den ersten Blick: wunderschöne Reitgebiete, tolle Cottages, ein kompetentes, herzliches Team. Leider konnten wir nur zwei Retreats gemeinsam durchführen, da sich die Leitung geändert hat. Heute arbeite ich mit einem wunderbaren Stall im Süden zusammen, den ich über Instagram kennengelernt habe, und auch wenn es schade ist, dass der Norden aktuell wegfällt, weiss man nie, was zurückkommt.

Namibia ist ebenfalls über einen ganz eigenen Weg entstanden. Mia war vor Corona dort und hat seitdem gefühlt von nichts anderem mehr erzählt. Namibia ist wie Marokko oder das Engadin einer dieser Orte, die mich schon lange fasziniert haben. Ich bin ein grosser Afrika-Fan, diese Weite, diese Wildheit, das ist irgendwie die Heimat meines Herzens. Ich war für Projekte in Äthiopien, als Kind mit meiner Mama in Kenia in der Masai Mara, und all das hat mich geprägt.

Irgendwann sassen Mia und ich zusammen und haben gesagt: Wieso gehen wir eigentlich nicht nach Namibia? Auch hier habe ich zuerst abgeklärt, ob eine Zusammenarbeit überhaupt gewünscht ist, bevor ich hingereist bin. Die Offenheit war da, das Interesse auch, und so sind wir 2022 gemeinsam nach Namibia gereist. Es war intensiv, wunderschön, teilweise anstrengend, weil ich alles genau angeschaut, getestet, fotografiert und dokumentiert habe. Aber vor allem war ich hell begeistert von diesem Ort. Noch vor Ort habe ich die Konditionen besprochen und den ersten Retreat für 2023 fixiert.

Das sind ein paar Einblicke, wie meine Retreat-Locations entstehen. Es gibt noch viele weitere Geschichten und Wege, aber das würde hier zu weit führen. Was all diese Orte gemeinsam haben, ist, dass sie nicht aus einem festen Konzept heraus entstanden sind, sondern aus Erfahrung, Vertrauen, Bauchgefühl und der Bereitschaft, genau hinzuschauen. Und manchmal auch einfach, weil ein Ort ruft – und ich hinhöre.

Posted on February 2, 2026 .