Trinkgeldguide für die Reiten & Yoga Retreats

Ich gebe Trinkgeld, weil es mir ein gutes Gefühl gibt.

Das klingt vielleicht banal. Aber es ist ehrlich. Die Freude von jemand anderem berührt mich. Und ja – wenn ich etwas gebe und ein Lächeln zurückbekomme, dann bekomme ich mindestens genauso viel zurück, wie ich gegeben habe. Vielleicht sogar mehr.

In diesem Sinn ist Trinkgeld für mich nicht nur Grosszügigkeit. Es ist auch ein Stück weit eigennützig.

Gleichzeitig merke ich, wie viele Fragezeichen dieses Thema auslöst – besonders bei unseren Retreats. Deshalb möchte ich hier transparent erklären, wie ich es sehe und wie wir es handhaben.

„Warum soll ich Trinkgeld geben, wenn ich doch bezahlt habe?“

Eine berechtigte Frage und eines der vielen Fragezeichen in Bezug auf Trinkgeld.

Bei unseren Retreats ist Trinkgeld – mit einer Ausnahme in einem Hotel – kein integraler Bestandteil des Lohns. Die Menschen, mit denen wir arbeiten, verdienen landesübliche gute bis sehr gute Löhne. Ich arbeite nicht mit Betrieben zusammen, die unter dem lokalen Standard bezahlen.

Trinkgeld ist also kein versteckter Lohnbestandteil.

Ich sehe es eher wie einen Bonus. Wenn du in deinem Beruf gut arbeitest und am Ende des Jahres einen Bonus erhältst, dann ist das keine Selbstverständlichkeit – aber es ist eine Anerkennung. Und sie motiviert dich (nehme ich jetzt einmal stark an ;)).

Genau so funktioniert Trinkgeld für mich. Es ist eine zusätzliche Wertschätzung für Menschen, die sich Mühe geben, die präsent sind, die mitdenken und dir einen grandiosen Urlaub und eine berührende Auszeit ermöglichen.

Wie viel soll man geben?

Das ist wahrscheinlich das grösste Fragezeichen.

Wir alle haben ein unterschiedliches Verhältnis zu Geld. Manche geben leicht, andere zögern. Manche haben wenig und geben viel. Andere haben viel und geben wenig. Es gibt keine einfache Formel.

Ich persönlich mache es so: Ich spüre hin, was ich geben möchte – und gebe dann ein bisschen mehr.

So, dass ich merke, es ist nicht völlig bequem. Natürlich möchte ich keine schlaflosen Nächte deswegen, aber ich möchte, dass es für mich ein Betrag ist, den ich „spüre“. Ich habe einmal von einer Yogini gelernt: Wenn du das Gefühl hast zu geben, dann gib. Für mich hat das viel verändert. Denn früher hatte ich ein recht limitiertes Money Mindset. Ich wollte zwar geben, hatte dann aber immer Angst, selber zu wenig zu haben. Daran habe ich gearbeitet (unter anderem, indem ich grosszügig Trinkgeld gegeben habe) und kann nun besser, einfacher und mit offenerem Herzen geben.

Das ist meine persönliche Praxis. Natürlich gibt es noch zig andere Wege, Trinkgeld zu geben oder mit seinem Money Mindset umzugehen. Ich möchte hier einfach mit dir teilen, wie ich es mache.

Und natürlich gilt auch: Wenn ich mit einer Leistung nicht zufrieden bin, dann spiegelt sich das im Trinkgeld. Wertschätzung entsteht nicht automatisch, sondern als Antwort auf Qualität und Einsatz. Es kann schon mal vorkommen, dass ich in einem Restaurant bin und nichts gebe, weil ich einfach nicht zufrieden war. Das ist für mich auch OK. Ich habe nicht diesen inneren Druck, zu gefallen, einem Standard gerecht werden zu müssen und auch zu geben, wenn ich nicht möchte.

Der kulturelle Kontext – besonders in Marokko

In Marokko ist Trinkgeld kulturell stark verankert. Es gehört zum sozialen Gefüge dazu. Gerade bei unseren mehrtägigen Ritten verbringt das Team vier bis fünf Tage fast durchgehend mit uns. Sie kochen, bauen Zelte auf, begleiten die Ausritte, organisieren im Hintergrund alles, was reibungslos laufen soll, und ermöglichen dir das 1001-Nacht-Feeling.

Wir haben gemerkt, dass es hier ohne Orientierung oft zu Unsicherheit kam – und teilweise auch zu sehr tiefen Beträgen, die nicht dem lokalen Rahmen entsprechen. Deshalb geben wir für unsere Marokko-Retreats eine Richtlinie von 30–60 € pro Person für vier Tage an. Natürlich musst du nicht, aber es ist eine Richtlinie, die sich bewährt hat.

Warum ist das nicht einfach im Preis integriert?

Weil Trinkgeld für mich bewusst freiwillig bleiben soll.

Wie gesagt, die Löhne aller Mitarbeiter bei allen Retreats sind keine Mindestlöhne, die Arbeitsbedingungen entsprechen der Branche und der Region, und es herrscht ein wohlwollendes Miteinander. Oftmals haben unsere Partner langjährige Mitarbeiter, die wir seit Beginn kennen. Und doch möchten wir eine zusätzliche Wertschätzung geben, vor allem, da es an vielen Orten auch üblich ist und die Motivation, das Beste zu geben, fördert. Auch hier: Denk wieder an die Analogie mit deinem Bonus bei guter Arbeit :)

Dort, wo Trinkgeld integraler Bestandteil des Lohnsystems ist, haben wir es in den Retreatpreis eingerechnet. Das ist aber nur an einem Ort der Fall. An allen anderen Orten soll es eine bewusste Entscheidung bleiben.

Wie wir es organisatorisch handhaben

Es gibt unterschiedliche Settings.

Wenn Unterkunft und Reiten an einem Ort stattfinden und die Location selbst eine Trinkgeldkasse hat, dann sammeln wir nichts. Dort kann jede Person individuell etwas einlegen.

Wir sammeln auch kein Trinkgeld, wenn das Reiten direkt vom Besitzer organisiert wird. Denn ich bin der Meinung, wenn man einen Betrieb leitet, sollte man andere Motivationen haben. Ich nehme zum Beispiel nie Trinkgeld an und würde es auch immer weitergeben.

Daher sammeln wir dort, wo Angestellte mitarbeiten – also Menschen, die im Hintergrund mittragen und die sonst vielleicht weniger sichtbar sind. Wenn wir sammeln, dann auch immer anonym. Jede Person legt das in einen Umschlag, was sie geben möchte. Der gesammelte Betrag wird anschliessend einer verantwortlichen Person übergeben, die ihn im Team fair verteilt. So stellen wir auch sicher, dass die Mitarbeiter profitieren, die vielleicht nie Kundenkontakt hatten, aber doch ihren Teil beigetragen haben.

Wenn du sonst noch Fragen hast, kannst du mir diese gerne in den Kommentaren stellen.

Posted on February 24, 2026 .