Wie Pferde miteinander kommunizieren – und was wir Menschen daraus lernen

Wer Pferde beobachtet, merkt schnell: Sie kommunizieren ständig. Nicht nur mit uns, sondern vor allem miteinander. In der Herde, auf der Weide, im Offenstall. Meist unauffällig, oft sehr klar. Und fast immer situationsbezogen.

Wenn wir verstehen wollen, wie Pferde kommunizieren, lohnt es sich deshalb, den Blick weg von uns selbst zu richten und hin zu dem, was zwischen den Pferden passiert.

Kommunikation in der Herde: klar und ohne Umwege

Pferde reden nicht lange um den heissen Brei. Ihre Kommunikation ist direkt, aber selten eskalierend. Ein Blick, eine minimale Veränderung der Körperspannung, ein Schritt zur Seite – oft reicht das schon.

In stabilen Herden sieht man, dass Konflikte meist früh geklärt werden. Nicht, weil Pferde sich nichts sagen, sondern weil sie sehr genau wahrnehmen, wann ein Signal genügt. Es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, wieder Ruhe in die Situation zu bringen.

Nähe und Distanz als Sprache

Abstand ist eines der wichtigsten Kommunikationsmittel unter Pferden. Wer wem wie nahe kommen darf, ist kein Zufall. Pferde regeln Nähe über kleine, feine Signale: über die Ausrichtung des Körpers, die Position der Ohren, über Tempo oder Stillstand.

Ein Pferd, das Nähe zulässt, kommuniziert Vertrauen. Eines, das Distanz einfordert, setzt eine Grenze. Beides ist neutral – es sind Informationen. Erst wir Menschen machen daraus oft eine Bewertung.

Korrektur statt Strafe

Wenn Pferde einander korrigieren, geschieht das meist präzise und kurz. Ein klares Signal, dann ist die Sache erledigt. Kein Nachtragen, kein Wiederaufrollen.

Das ist etwas, das wir Menschen häufig unterschätzen. Wir erklären, relativieren, wiederholen. Pferde hingegen kommunizieren im Moment. Sie reagieren auf das, was jetzt ist – nicht auf das, was vor fünf Minuten war.

Ruhe als soziales Signal

In vielen Herden gibt es Pferde, die kaum auffallen. Sie drängen sich nicht in den Vordergrund, sind nicht besonders laut oder expressiv. Und trotzdem orientieren sich andere an ihnen.

Ruhe ist für Pferde ein starkes Signal. Ein entspanntes Pferd kann Sicherheit vermitteln, ohne etwas zu „tun“. Diese Form von Kommunikation wird oft übersehen, ist aber zentral für das soziale Gefüge.

Was wir daraus für den Umgang lernen können

Wenn wir Pferde untereinander beobachten, zeigt sich vieles sehr deutlich: Kommunikation muss nicht gross sein, um klar zu sein. Timing ist wichtiger als Intensität. Und Wahrnehmung ist oft hilfreicher als Interpretation.

Im Umgang mit Pferden können wir davon profitieren, weniger zu machen und genauer hinzuschauen. Nicht jedes Verhalten braucht eine Reaktion. Manches braucht einfach Raum.

Kommunikation ist immer mehr als ein einzelnes Signal

Laute, Bewegungen, Körperspannung – all das greift ineinander. Wer sich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte, findet ergänzend dazu diese Blogposts:

Beide Artikel beleuchten einzelne Ebenen der Kommunikation. Zusammengenommen – und ergänzt durch die Beobachtung der Pferde untereinander – entsteht ein vollständigeres Bild.

Denn Pferde sprechen ständig. Die Frage ist weniger, ob sie kommunizieren, sondern ob wir bereit sind, wirklich zuzuhören.

Posted on January 12, 2026 .